Was hat ein Eisbär in der kanadischen Arktis mit der Textilherstellung in China bzw. Adidas, Puma und Nike zu tun? 

Das mag zunächst nach einer provokativen Clickbait-Überschrift oder einem wirklich schlechten Witz klingen, jedoch steckt hier (leider) deutlich mehr dahinter. Bei der Entstehung von Kleidung werden massenweise, verschiedene Chemikalien verwendet. Einige davon sind in Europa verboten, da sie krebserregend sind. In China beispielsweise werden diese aber weiterhin verwendet und gelangen beim Färben der Kleidung ins Grundwasser (whait what?).. Die Schadstoffe breiten sich auf der ganzen Welt aus, da sie sich nicht abbauen. Mittlerweile kann man sie sogar bei Eisbären in der kanadischen Arktis nachweisen. - Wer die Überschrift gelesen hat, hoffte wahrscheinlich noch auf ein Happy End oder tatsächlichen Witz.  

Die Umweltsünder, wir nennen sie mal “Produktionsstätten”, arbeiten laut ZDF Info (Quelle) nachweislich für die oben genannten Hersteller. Der Vollständigkeit wegen sei gesagt, dass auch H&M und Zara dazugehören.  

Wie die Textilindustrie unser Wasser vergiftet

Warum ist der Einsatz giftiger Chemikalien, auch wenn dies noch so weit von uns entfernt zu passieren scheint, so ein gravierender Eingriff in unser Ökosystem? 

Gibt es nicht genug Wasser? Prinzipiell ja, denn rund zwei Drittel der Erde sind schließlich mit Wasser bedeckt. Auf der anderen Seite, sind ca. 97% davon Salzwasser und somit nicht als Trinkwasser geeignet. Von den übrigen knapp 3% Süßwasser sind ca. Zwei Drittel Gletscher, ein kaum nennenswerter Teil sind Wolken, Schnee und Hagel und somit bleibt ein Drittel des Süßwassers - ja, richtig, das wären dann 1/3 von 3%welches sich als Trinkwasser eignet. (Quelle)  

Unter dem Strich bleibt also nicht allzu viel übrig. Es geht jedoch auch ohne giftige bzw. ganz ohne Chemikalien. Hilfestellung leisten dir hier diverse Siegel sowie moderne Herstellungsverfahren, die ohne den Einsatz von (giftigen) Chemikalien auskommen. 

 

Hier ein paar interessante und nützliche Fakten dazu: 

  • Besonders bei Baumwolle solltest du auf das Bio-Siegel achten, denn kein anderes Anbauprodukt wird so häufig mit Pestiziden behandelt wie konventionelle Baumwolle: durchschnittlich 20-mal werden die giftigen Chemikalien eingesetzt, bevor es zur Ernte der Baumwolle kommt. Jetzt findest du auf diversen Shops bereits Hersteller die lediglich auf Bio-Baumwolle setzen – ob das wohl viele sind?
  • Die weltweite Produktion von Bio-Baumwolle macht leider noch immer nur 1% der gesamten Baumwollproduktion aus. (Quelle) Wenn du also das Gefühl hast, bei Kleidung überall bereits Bio-Siegel zu sehen, heißen wir dich herzlich in unserer Bubble willkommen. Die traurige Wahrheit sieht nämlich so aus:
    Anteil der Biobaumwolle am Baumwollanbau weltweit

 

  • Auch beim Wasserverbrauch kann Bio-Baumwolle gegenüber der konventionellen Variante punkten: Je nach Quelle und Rechenart spart man dabei bis zu 90% des Wasserverbrauchs ggü. der Produktion von herkömmlicher Baumwolle ein. Ob die Bio-Baumwolle aber auch bis zum fertigen Produkt rein organisch behandelt wird, ist jedoch nicht immer gesagt. 

Die Alternative zu herkömmlichen Stoffen

Eine weitere natürliche und umweltfreundlichere Alternative zu konventioneller Baumwolle ist Lyocell, auch als TENCEL™ bekannt. Lyocell eignet sich zudem aufgrund seiner Funktionalität als echte Alternative zu Polyester. Das aus FSC-zertifiziertem Holz hergestellte Lyocell ist eine Naturfaser, bei deren Produktion keinerlei Chemikalien notwendig sind. Anstatt Chemie werden hier organische Lösungsmittel verwendet, die eine über 99% liegende Rückgewinnungsquote besitzen. Hier kann man schon von einem beinahe perfekten Kreislauf sprechen. Nicht umsonst wurde dieses Verfahren von der EU mit dem europäischen Umweltpreis ausgezeichnet. Als wäre das schon nicht gut genug, liegt der durchschnittliche Wasserverbrauch weit unter dem von konventioneller Sportkleidung. 

Und als berühmte Kirsche auf der Sahne: Der Stoff ist letztendlich biologisch abbaubar und kann somit vollständig und ohne Schäden zu hinterlassen in die Natur zurückgeführt werden. (Quelle)