In den letzten Jahren ist ein regelrechter Markt für recycelte Artikel, so auch für Kleidung aus recycelten Plastikfasern wie Polyester oder Polyamid, entstanden. Auch in der Sportartikelindustrie, die bei Kleidung fast immer auf diese Kunstfasern setzt, scheint der Trend mittlerweile angekommen zu sein. 

“Endlich! Mehr Nachhaltigkeit” werden einige sagen, während für Kritiker Recycling nicht die Lösung des Problems zu sein scheint:   

Für die Herstellung von konventioneller Sportbekleidung wird Rohöl eingesetzt, welches sowohl bei der Produktion als auch bei der Gewinnung umweltbelastend ist. Hierbei handelt es sich um eine endliche Ressource, welche dementsprechend niemals als nachhaltig deklariert werden kann. Weitere Probleme ergeben sich erst nach dem Kauf deiner neuen Leggings, deines Laufshirts oder deiner Trainingsjacke: So wird bei jedem Waschgang Mikroplastik freigesetzt. Auch die falsche Entsorgung ist ein häufiges Problem. Oft werden die Textilien bei der Entsorgung verbrannt oder eben an ärmere Länder verkauft, wo sie dort zu weiteren sozialen Problemen führen.  

Dieser konventionellen Herstellung stehen die verschiedenen, aus alter Kleidung, Geisternetzen, PET-Flaschen, etc.  regenerierten Fasern gegenüber, welche gleich mehrere unserer Probleme zu lösen scheinen.  

Inseln aus Plastik 

Immer häufiger findet man in den sozialen Medien verstörende Bilder von Stränden voller Plastikmüll, Videos von Schildkröten, denen Plastikteile aus der Nase gezogen werden oder gestrandete Wale mit Mägen voller Plastiktüten. Mittlerweile gibt es sogar ganze Inseln, die aus diesem Müll entstanden sind – und nein, das liegt nicht daran, dass Leute am Strand ihre Strohhalme liegen lassen. Auch wenn das ohne Frage ein egoistisches Verhalten ist, liegt das Problem woanders - hierzu gleich mehr.  
Die wohl bekannteste Plastikinsel liegt zwischen Kalifornien und Hawaii und trägt den Namen “The Great Pacific Garbage Patch”. Sie hat die Größe von ca. 1.600.000 Quadratkilometer!(Quelle) Wer sich darunter nichts vorstellen kann, dies entspricht ca. 4,5 X der Fläche Deutschlands. Ganz schön viel Müll der da rumschwimmt.

Woher kommt dieser Müll? - Zahlen, Daten, Fakten 

Hat man gerade keinen Mülleimer in der Nähe, kann man manchmal leider das Phänomen beobachten, dass jemand seinen Müll an einer Stelle entsorgt und diesem Müll weiterer folgt – ganz nach dem Prinzip: “haben vor mir ja auch schon 20 andere gemacht”. Das ist bei den im Meer schwimmenden Plastikinseln etwas anders. Insgesamt werden jährlich ca. 300 Millionen Tonnen an Plastik produziert, wovon über 10 Millionen Tonnen jährlich in unseren Meeren landen – das entspricht ca. einer vollen LKW-Ladung pro Minute. Zurückzuführen ist dieser Müll zu ca. 80% auf Zuflüsse vom Land, während ca. 20% direkt im Meer entsorgt werden, wie beispielsweise Fischernetze oder andere Fischereiausrüstung.(Quelle)  
Die vorhin angesprochenen Strohhalme machen übrigens weniger als 1% dieses Plastikmüll aus. Mit 29% ist China gemeinsam mit den anderen asiatischen Ländern für etwa die Hälfte der gesamten Umweltbelastung durch Plastikmüll verantwortlich. Acht der großen zehn Flüsse, welche insgesamt zu 90% des Mülls vom Land in die Ozeane bringen, liegen in Asien. Europa trägt zur Gesamtbelastung etwa 19% bei, wobei auch immer mehr Plastik, insbesondere aus Deutschland, auch an asiatische Länder verkauft wird. Wird dieses dort nicht in Verbrennungsanalagen vernichtet, landet es meist im Ozean.(Quelle) 

 

Aus alt mach neu 

Zur großen Plastikflut zählen auch die Geisternetze. Diese sind aufgrund ihrer Netzeigenschaften und der Menge wahrscheinlich die größte Gefahr für Lebewesen im Ozean.   Non-Profit-Organisationen, wie z.B. unser Spendenpartner Healthy Seas sammeln, säubern und zerkleinern diese Netze. Im finalen Regenerierungsprozess entsteht so schließlich eine neue Faser, die u.a. auch für Activewear bestens geeignet ist. Einer der wohl bekanntesten Vertreter ist die ECONYL®-Faser eines Herstellers in Italien. Durch diesen aus alt macht neu Prozess werden nicht nur die Ozeane von Plastikmüll entlastet, es werden auch tonnenweise CO2 und Öl eingespart. So kann im Vergleich zu einem konventionellen Polyesterprodukt (T-Shirt, 150g) bis zu rund 1kg CO2 Belastung eingespart werden.(Quelle) Die Stoffeigenschaften sollen dabei den Neu-Plastikprodukten in nichts nachstehen und sind somit ebenfalls ideal für sportlichen Aktivitäten wie Yoga, Laufen, Fitness, aber auch Wassersport wie Schwimmen und Surfen.(Quelle) 
Leider gelangt aber auch aus Kleidung von recyceltem Plastik bei jedem Waschgang kleinste Partikel in Form von Mikroplastik in unseren Wasserkreislauf und über Umwege schließlich in unseren Körper.      

Plastik im Essen – lecker 

Für unsere Meeresbewohner ist das Plastik mindestens ein so großes Problem wie für uns selbst, nur dass die Auswirkungen auf unsere Gesundheit nicht direkt sichtbar sind, während die Tiere elendig verenden.  

Kleine Plastikteile oder Tüten werden von Seevögeln, aber auch Fischen oder Schildkröten für Futter gehalten – eine Tüte von einer Qualle zu unterscheiden ist gar nicht so einfach! Sie verschlucken das Plastik oder verfüttern es, wie am Beispiel verschiedener Vögel, an ihre Jungen, welche wiederum daran sterben und somit die Existenz von vieler Meeres-, Land- und Luftbewohner gefährden. Aber auch wir essen Plastik – jap, richtig gehört. Jede Woche durchschnittlich 5 Gramm Plastik, was der Menge einer Kreditkarte entspricht.6 Wir nehmen dieses in Form von kleinsten Partikeln über das Wasser, unsere Nahrung oder die Luft auf. Dieses bereits erwähnte Mikroplastik lässt sich auch im Fisch, welcher später in vielen Haushalten auf dem Teller landet, nachweisen. 

Ein Großteil des produzierten Plastiks (siehe ”Woher kommt der Müll?) wird letztendlich nicht richtig entsorgt oder recycelt - die Recyclingquote lag 2017 weltweit übrigens bei unter 25%7 - und landet oftmals im Meer landet, wo es Jahrzehnte bis Jahrhunderte dauern kann, bis sich dieses auflöst. Deshalb gehen viele Studien gehen davon aus, dass es bis 2050 mehr Plastik als Fisch in unseren Meeren geben wird. Diese These lässt sich leider kaum nachweisen, da weder der genaue Fischbestand, noch die Menge an Plastik tastsächlich messbar sind.8 Trotzdem sind diese Hochrechnungen alarmierend und könnten, auch wenn sie nur ansatzweise zutreffend wären, zu irreversible Schäden führen. 

Was kannst du tun? 

Wie fast immer, wenn es um Konsum und Nachhaltigkeit geht, solltest du dir bei jedem Einkauf die Frage des Nutzens stellen: Brauchst du das wirklich?  

Natürlich wirst du diese Frage auch das ein oder andere Mal mit “ja” beantworten und hier wird es interessant:  

  • Findest du beim Einkauf von Sportkleidung beispielweise keine Second Hand Sachen, dann schaue nach nachhaltigen Alternativen. Bestehen diese aus recyceltem Plastik, dann verwende einen eigens zum Filtern von Mikroplastik hergestellten Waschbeutel.      
  • Das Trinken von Leitungswasser ist nicht nur gesünder und besser für die Umwelt, es ist auch viel günstiger als das Plastikwasser der größten Plastikflaschenhersteller Coca-Cola, Nestle und Co.  
  • Iss weniger Fisch. Wie viele Studien, Berichte und mittlerweile zum Glück auch Dokumentationen auf großen Streamingplattformen,  zeigen, gibt es keine Fische aus nachhaltiger Fischerei – es sei denn du angelst deinen Bedarf selbst 😉. Über die Geisternetze wurde an dieser Stelle bereits genug gesagt. 
  • Auch in Fahrzeugen und Flugzeugen steckt jede Menge Plastik. Weniger Fliegen und bei kurzen Strecken auf die Öffentlichen, das Fahrrad oder notfalls auch andere Sharingangebote zurückgreifen.  
  • Achtest du beim Kauf von Kosmetik darauf, dass sie kein Mikroplastik enthält? Das gleiche gilt auch für Sonnencremes und andere Produkte, welche man häufig absolut nicht mit Plastik verbindet. Verhältnismäßig machen andere Punkte auf dieser Liste mehr aus, aber jeder Schritt in die richtige Richtung ist ein guter Schritt. 
  • Zu guter Letzt noch das Smartphone. Brauchst du alle zwei Jahre ein Neues? Wer hätte es gedacht, auch darin befindet sich Plastik. Also lieber weniger wechseln und wenn, dann doch lieber ein Gebrauchtes - Seiten für refurbished Produkte gibt es mittlerweile genügend.